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EDITORIAL

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„Die Landwirtschaft muss sich an neue Bedingungen anpassen. Hohe Intensität ist nicht das Ziel.“
FOTO: SEBASTIAN SCHOEN

Liebe Leserinnen und Leser,

zwei Ernteberichte Ende August zeigten, dass man die Situation auf Deutschlands Äckern ganz unterschiedlich deuten kann: Während der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, von einer erneut unterdurchschnittlichen Ernte redet, sagt Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir: „Wir können dankbar und teilweise zufrieden sein mit der Ernte.“ Auch er stellt zwar klar die schwierigen Zeiten durch den Klimawandel heraus und dass Landwirte teils herbe Einbußen in Kauf nehmen müssen, aber sein Bericht war ausgewogener.

Vor allem betonte der Grünen-Politiker, dass sich einige Bäuerinnen und Bauern auf die Klimaveränderungen einstellen und zunehmend Sorten und Kulturen anbauen, die mit Hitze und Trockenheit besser umgehen können. Davon ist im Bericht des Bauernverbandes keine Rede. Anstatt in die Zukunft zu schauen und wie Cem Özdemir zu erwähnen, was Landwirte gegen den Klimawandel tun können, schaut der DBV-Erntebericht nur zurück und vergleicht, wie schlecht die Erträge im Vergleich zu den früheren Jahren ausgefallen sind.

Trockenheitstolerante Sonderkulturen, vielfältige Fruchtfolgen oder Agroforstsysteme, mit denen sich vor allem die Bio-Landwirte stark beschäftigen, sind sinnvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel. Hier wird die Innovationskraft des Ökolandbaus deutlich. Wer weiterhin stur auf hohe Intensität setzt, hat nicht verstanden, dass sich die Landwirtschaft an neue Bedingungen anpassen muss.