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EDITORIAL

„Die Politik des Nichtstuns hat die Konfrontation zwischen Stadt und Land weiter verschärft“
FOTO: SEBASTIAN SCHOEN

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Liebe Leserinnen und Leser,

manch einer glaubt: „Wer nichts macht, macht auch nichts falsch.“ Doch es sticht zum Ende von 16 Jahren Regierungszeit von Angela Merkel ins Auge, wie unverantwortlich es ist, nicht zu handeln. Bei ihrer letzten Sommerpressekonferenz im Juli sagte die ehemalige Umweltministerin und Klimakanzlerin, gemessen an dem Ziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, sei „nicht ausreichend viel passiert“. Das Tempo müsse angezogen werden. Diese Erkenntnis konnte die Flutkatastrophe nicht mehr verhindern.

Die Agrarpolitik unter Merkel hat Greenpeace bilanziert: „Agrarpolitik im Stillstand“. Es zeigt sich dasselbe Bild des Aussitzens bei Tierwohl, Düngeverordnung, Klimaschutz, Insektenschutz und GAP unter den Minister:innen Seehofer, Aigner, Friedrich, Schmidt und Klöckner. Ratschläge von Beiräten wurden konsequent ignoriert. Diese Politik des Nichtstuns und Blockierens hat die Konfrontation zwischen Landwirtschaft und Verbraucherschaft, zwischen Stadt und Land weiter verschärft anstatt den Landwirtinnen und Landwirten eine Brücke in die Zukunft zu bauen. Die Biodiversitätskrise rollt ungebremst weiter.

Die Agrarpolitik der nächsten Regierung darf nicht länger aussitzen und an Rezepten von gestern festhalten. Das ist aber zu befürchten, sollte jene Partei auch in der nächsten Regierung mitgestalten, die sich im Koalitionsvertrag von 2018 als „Partei der Land- und Forstwirtschaft“ bezeichnet hatte.

Zum Glück haben viele Bio-Bauern und -Bäuerinnen sich nicht lähmen lassen und ihrerseits die Brücke zu den Verbraucher:innen geschlagen und engagieren sich für Natur-, Arten- und Klimaschutz.